Das Kartäuserkloster in Erfurt wurde 1371 gegründet. Bereits etwa um 1380 ließen die Mönche unmittelbar nach Süden anschließend an den Chor der Kirche zwei miteinander verbundene Kapellen als Kapitelsaal und Johanneskapelle errichten. Im Jahre 1503/4 waren die Einwölbungen offenbar so schadhaft, dass beide Kapellen mit gotischen Kreuzrippen neu eingewölbt werden mussten.
Im Zuge der barocken Veränderungen des Klosters ab etwa 1720 verloren diese, Kapitell- und nunmehr Salvatorkapelle genannten Räume ihre gotischen Fenster. Nach ihrer Restaurierung präsentieren sich die Gewölbe heute in ihrer originalen Fassung von 1504.
Von der Salvatorkapelle gelangt man, nach Süden anschließend, in das barocke Colloquium. Nur hier durften die Mönche zum Mittagsmahl an Sonn- und Feiertagen ihr selbst auferlegtes Schweigen brechen. Dieser Raum wurde in den 20er Jahren des 18. Jahrhunderts prächtig ausgestattet. Das teilweise wiederhergestellte Deckengemälde zeigt die Schlüsselübergabe an Petrus. In den vier Ecken wurden in aufwendig stuckierten Kartuschen die vier großen Kirchenlehrer dargestellt. Der die Gemälde umgebende Stuck ist in meisterlicher Form reich ausgeführt.
Nach der Säkularisation des Klosters durch die Preußen 1803 durchlebte das ehemalige Kloster unterschiedliche gewerbliche Nutzungen. Die damit verbundene Schädigung der historischen Substanz hat insbesondere das Colloquium betroffen. Das zentrale Gemälde konnte nur in Teilen gerettet werden, der Stuck mit zwei der ursprünglich vier Gemälde der Kirchenlehrer zu etwa der Hälfte. Eine behutsame Wiederherstellung hat heute einen Zustand des Raumes geschaffen, der die ursprüngliche Atmosphäre sehr gut nachempfinden lässt. Der in allen Räumen eingebaute alte Cottoboden, aus Abbrüchen in der Normandie stammend, unterstreicht diese den Besucher einladende Atmosphäre und verknüpft die Kapellen mit dem Colloquium zu einer Einheit. Wiederverwendete barocke Fenstergitter und ein Kirchentor ergänzen zusammen mit einer Eingangstür aus dem 16. Jahrhundert den historischen Eindruck.